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Podiumsdiskussion im Vorfeld der drinktec 2017

8.06.2017

„International agieren in herausfordernden Zeiten“

8.06.2017

Protektionismus, Nationalismus, Populismus, Brexit – alle diese Schlagwörter hatte bei der letzten drinktec noch niemand auf dem Radar. Heute dominieren sie die Titelseiten. Was aber bedeutet es für die international operierenden Unternehmen der deutschen Getränke- und Zulieferindustrie, wenn aus Zuversicht Angst, aus Stabilität Unsicherheit und aus einem „Wir gemeinsam“ ein „Ich zuerst“ wird? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion im Rahmen eines Fachpressetreffens im Vorfeld der drinktec 2017.

Teilnehmer der von TV- und Eventmoderator Kilian Reichert geleiteten Runde waren: Volker Kronseder, Aufsichtsratsvorsitzender Krones AG, Prof. Dr.-Ing Matthias Niemeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung KHS GmbH, Dr. Reiner Brambach, Director Sales & Design Enviro Chemie GmbH, Georg Schneider, Geschäftsführender Gesellschafter Schneider Weisse G. Schneider & Sohn GmbH und Präsident des Bayerischen Brauerbunds sowie Mario Mais, Brand Consulting Manager Sinalco International Brands GmbH & Co. KG.

 

Die täglichen Nachrichtensendungen zeigen es: Die Welt scheint aus den Fugen. Sie ist unsicherer, unkalkulierbarer geworden. Spielregeln politischen und wirtschaftlichen Handelns, die Jahrzehnte lang Gültigkeit hatten, werden plötzlich in Frage gestellt. Länder schotten sich ab, Protektionismus kommt in Mode. Politische Akteure agieren sprunghaft, Fake-News haben Konjunktur. Die Unwägbarkeiten der Politik lassen auch die Märkte nicht unberührt. Sie verändern sich, verschieben sich oder brechen ganz ein. Rahmenbedingungen wie Wasserknappheit, Fachkräftemangel und schwierige klimatische Bedingungen erschweren den Zugang. Wie aber agieren in einer Welt, deren einzige Konstante die Unwägbarkeit ist?

 

▪ „Die Welt war schon immer im Umbruch“

„Die Welt war schon immer im Umbruch“, stellte Georg Schneider zur Eröffnung der Diskussion klar. Erfahrungen mit wechselnden Herausforderungen, auch mit protektionistisch abgeschotteten Märkten – das hat es also schon immer gegeben. Grundsätzlich, so ergab die Diskussiongebe es hierauf drei AntwortenGar nicht liefern, die geforderten Einfuhrzölleakzeptieren oder vor Ort produzierenLetzteres habe Vor- und Nachteile. Auf der Sollseite stünden gegebenenfalls unzureichende lokale Arbeitsbedingungen, ethische Bedenken bei Umweltschutz oder Menschenrechten oder der ungewollte Know-how-Transfer. Andererseits bedeuteten neue Mitarbeiter auch neue Ideen, andere Sichtweisen und mehr Produktivität. In einer globalen Welt könne man nicht mehr alles alleine stemmen, hob Prof. Dr. Matthias Niemeyer hervor: „Auch das macht den Protektionismus zur falschen Strategie“.

 

▪ Der deutsche Maschinenbau kann selbstbewusst auftreten

In diesem Zusammenhang rückte Volker Kronseder einige grundlegende Besonderheiten des deutschen Getränkemaschinenbaus in den Fokus: „Wir produzieren wesentlich geringere Stückzahlen als zum Beispiel die Autoindustrie. Für 20 Füller lohnt sich der Aufbau einer eigenen Produktion daher auch nicht.“ Darüber hinaus könne der deutsche Maschinenbau zu Recht selbstbewusst auftreten: „Viele Maschinen von uns haben so eine hohe Qualität, dass ein Getränke- oder Lebensmittelproduzent diese auch bei einem abgeschotteten Markt nicht durch lokale Alternativen ersetzen kann – geschweige denn will.“ Eine Meinung, die Prof. Dr. Niemeyer ausdrücklich teilt: „Wir beobachten zurzeit ein deutliches Auftragsplus aus den USA. Scheinbar werden Investitionen bewusst vorgezogen, um den drohenden Zöllen zuvor zu kommen.“ 

 

 

 

▪ Protektionismus ist zwar herausfordernd, aber lösbar

Die Runde war sich einig: Grundsätzlich sei Protektionismus für den Lieferanten zwar immer herausfordernd, aber auch lösbar. Wenn keine globale Krise wie 2007 herrscht, dann gleichen andere Märkte den Ausfall eines abgeschotteten in der Regel aus“, erklärte beispielsweise Prof. Dr. Matthias Niemeyer. In Zeiten der Krise ist laut Dr. Reiner Brambach zudem Gelassenheit und Standfestigkeit gefragt: „Wir hatten in den letzten drei Jahren aufgrund derSituation in Russland fast keine Projekte. Wir waren aber weiter dort präsent, haben unser Netzwerk gepflegt. Jetzt zieht es in der Region wieder deutlich an.“

 

▪ Getränke und Lebensmittelindustrie profitieren von sinkender Armut

Im weiteren Verlauf der Diskussion wies Volker Kronseder auf den Armutsbericht der Weltbank hin. Dieser belegedass noch nie so wenige Menschen unterhalb der Armutsgrenze gelebt haben wie zurzeit. Hierzu habe der Freihandel einen wichtigen Beitrag geleistet, denn mit diesem steige auch der Wohlstand der Bevölkerung. Von diesem Wohlstand profitierten vor allem die Getränke- und Lebensmittelindustrie. Denn: Diese neue Mittelschicht kann sich zwar kein Auto und keinen LED-Fernseher leisten, aber sie belohnt sich mit einem Bier oder einem Markengetränk wie Sinalco.

„Wenn ein Markenprodukt beim ersten Probieren allerdings nicht überzeugt, war es das. Es wird kein zweites Mal gekauft“, gab Mario Mais zu bedenken. Es sei daher extrem wichtig, mit einem gut vernetzten lokalen Partner zusammenzuarbeiten, um die Rezepturen an die landestypischen Besonderheiten anzupassen. „Für Araber muss Sinalco beispielsweise als Orangengetränk orange sein und nicht gelb wie bei uns.“ Einen weiteren positiven Aspekt des Freihandels stellte Volker Kronseder heraus: „Lokaler Service wird von lokalen Arbeitskräften geleistet.“ Und das bedeutet mit anderen Worten: Nicht nur Maschinen und Dienstleistungen werden geliefert, sondern qualifiziert Arbeitsplätze geschaffen. Ein ganz wichtiger Baustein für die positive Entwicklung vieler Weltregionen.

 

▪ Geschäfte werden von Menschen gemacht, nicht von Politikern

Protektionismus hin, Populismus her, eines, auch da war sich die Runde einig, dürfe man bei allen politischen Widrigkeiten nicht vergessen: Politik werde von Politikern gemacht, Geschäfte dagegen von Menschen. Einhellig hob die Runde hervor, wie wichtig persönliche Beziehungen und Netzwerke bei der Anbahnung von Geschäften seien. Dadurch ließen sich auch politische Hemmnisse überbrücken. 

 

▪ drinktec: Impulse für die nächsten vier Jahre

Und was erwarten sich die Diskussionsteilnehmer von der drinktec 2017? In seiner Antwort auf die Schlussfrage von Kilian Reichert betonte Mario Mais die Internationalität des Publikums und die Angebotsbreite: „Wir können auf der drinktec neue Lizenznehmer treffen und ihnen geeignete Maschinen und Anlagen empfehlen, über die sie sich auch gleich informieren können.“ Dr. Reiner Brambach und Georg Schneider stellten, ebenso wie Prof. Dr. Niemeyer,die Mensch-zu-Mensch-Komponente in den Mittelpunkt: „Auf der drinktec trifft man Freunde aus der ganzen Welt. Diese Internationalität macht einfach Spaß.“ Und Volker Kronseder, übrigens auch Präsident des drinktec-Fachbeirats, war sich sicher, dass „die drinktec der Branche erneut Impulse gibt, welche die nächsten vier Jahre bestimmen werden.“